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Boniface spricht das erste Mal über seine Reha und Comebackpläne

Victor Boniface musste sich Anfang des Jahres nach anhaltenden Knieproblemen einer OP unterziehen, nun meldet er sich via eigenem YouTube Kanal an seine Fans und gibt ein erstes ausführliches Update zu seinem Stand und Comebackplänen. In einem 21-minütigen Video erzählt in seinem Lamborghini auf dem Weg zum Trainingsgelände von Bayer 04 über seinen Prozess, dann ist er beim Physiotherapeut und zeigt sich bereits in Aktion auf dem Platz. Natürlich noch etwas langsamer, aber eigentlich nach der OP schon überraschend gut. Schließlich kommt der Nigerianer besser voran als gedacht, Peter Niemeyer, Sportdirektor vom Leihklub Werder, prognostizierte, dass Big-Vic diese Saison "wahrscheinlich nicht mehr für Werder auflaufen wird". Doch es sieht nun auch besser, Boniface sagte folgendes zu seinen Comebackplänen: "Ich freue mich am meisten darauf, auf den Platz zurückzukehren und wieder Fußball zu spielen. Ich will wieder Spiele bestreiten und hoffentlich nach Bremen zurückgehen. Wenn ich schnell fit werde, kann ich hoffentlich noch für Werder Bremen spielen."
Er will also wieder für Werder auflaufen, gleichbedeutend ist sein Plan, diese Saison noch zurückzukehren, denn da ist die Leihe vom 25-Jährigen und dem SVW wieder beendet. Beide Parteien würden auf ein nicht erfolgreiches Kapitel zurückblicken. Boniface blieb bei Werder torlos (2 Assists) ehe er operiert werden musste. Boniface wirkt eigentlich gut gelaunt, nach Kniemassage etc. ging er auf den Platz, wo er seit zwei Wochen wieder trainiert. Auf dem Programm standen Lattenschießen, Slalomläufe, Volley-Ballzurückgaben und die ersten Abschlüsse. Anschließend ging es Gym, wo auch nochmal trainiert wurde, spezifisch für die Beine, um das Knie, wo er einen Knorpelschaden erlitt, wieder heranzuführen. Der Stürmer lief eigentlich auf dem Platz immer rund, nur bei der Beinpresse merkte man noch, dass er Schwierigkeiten hat. Aber auch verständlich, sonst sieht es gut aus, auch Boniface sagt, es liefe super. Zudem sagte: "Wenn ich mir alte Videos von mir auf dem Platz angucke, was ich dort gemacht habe, wie glücklich ich war. Da will ich wieder hinkommen. Ich weiß, wie hart ich dafür arbeiten muss, um dieses Gefühl wieder zu haben." Am "Mindset" scheitert es beim Double-Sieger aus 2024 definitiv nicht, er braucht keinen, der ihn pusht, er pusht sich selbst, zudem motiviert ihn, dass er bald wieder glücklich auf dem Platz stehen kann. Seine lockere Art hat er nicht verloren, er kündigte auch an, dass dann wieder die Insta-Posts wieder zurückkommen, wo Boniface Woche für Woche unter seine Spieltags-Posts die Menschheit mit seinen Weisheiten lehrt.
Sportlich bräuchte die Grün-Weißen den physisch starken Neuner definitiv: Man ist aktuell 17., es herrscht eine Stürmernot: Boniface würde auch für drei, vier Spiele noch helfen, um den Abstieg irgendwie zu verhindern. Denn klar ist auch: Steigt Bremen ab, wird der Re-Start ganz schwer. Finanziell, zudem gehen dann die meisten von den vielen Leihspielern. Und ein Klassenerhalt wäre auch ein Argument für Boniface. Denn klar ist, bei Bayer wird er keine Zukunft mehr haben, er würde sich hinter Schick, Kofane und Terrier anstellen, für beide Parteien wäre dies nicht ideal. Zudem wird es für Boniface im Sommer nicht den großen Markt geben, aufgrund der Verletzungshistorie etc. Eine Chance für Werder? Viele, die es mit den Hanseaten halten, wünschen sich eine erneute Leihe, vielleicht sogar mit Kaufoption. Der Nigerianer fühlte sich in Bremen wohl und ein fitter Big-Vic würde Werder definitiv verstärken. Es wäre eine Win-Win Situation. Doch jetzt muss Boniface erstmal wieder fit werden, aktuell ist er auf einem guten Weg.
LW, 26.02.2026


Coachsuche beendet: Werder holt Thioune
Der SV Werder Bremen hat einen neuen Trainer gefunden. Nach der Entlassung von Trainer Horst Steffen am Sonntag suchte der SVW einen neuen Trainer, Clemens Fritz suchte nach einem "Feuerwehrmann" oder einer langfristigen Lösung. Eine externe Lösung kam nicht infrage, für den Samstag in Freiburg hätten sonst Christian Groß und Raphael Duarte, bisherige Co-Trainer, übernommen. Das ist nun aber nicht mehr vonnöten, denn der SVW darf seit Mittwochmorgen Daniel Thioune seinen neuen Coach nennen. Der Fußballehrer, zuletzt bis Oktober bei Düsseldorf (zuvor HSV und Osnabrück) war einer der Kandidaten und ist es nun geworden. Topkandidat war Bo Svensson, doch er sagte dem SVW ab, ob er mit seinem Defensivfußball zu Werder gepasst hätte ist die andere Frage. Der andere Ex-Mainzer und ebenfalls Bo, Bo Henriksen, war auch ein möglicher Steffen-Nachfolger, doch er steht bei Mainz noch unter Vertrag, diese wollten ihren Ex-Trainer nicht in dieser Saisonphase an einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf abgeben (das ist Werder nach zehn Spielen ohne Sieg mittlerweile). Nun soll Thioune das Ruder wieder umreißen. Versteht man die Meldung und die Stimmen vonseiten Werder richtig, die mal wieder über Vertrag und Co. keine Infos geben, soll der 51-Jährige nicht nur bis zum Sommer bleiben, sondern ist eine langfristige Lösung. Düsseldorf bekommt für den Coach übrigens ein kleines Sümmchen, (grob eine Millionen). Zum Deal sagte Clemens Fritz: "Wir hatten sehr gute Gespräche mit Daniel. Seine Idee vom Fußball, seine Art und seine Herangehensweise an unsere aktuelle sportliche Situation waren ausschlaggebend für die Entscheidung. Wir sind überzeugt, dass wir mit ihm den Turnaround schaffen werden". Thioune währenddessen freut sich auch riesig auf die Aufgabe, für ihm gehen derweil auch ein Traum in Erfüllung, er wollte schon immer irgendwann in der Bundesliga trainieren. In dieser soll er nun den SVW halten und wie auch Fritz betonte den Turnaround schaffen. Der neue Chefcoach blickt aber positiv nach vorne und begeistert schon jetzt viele Werder Fans mit seiner sympathischen Art, Kommentare wie "Die Art der Ansprache gibt mir ein gutes Gefühl, ich bin gecatcht. Alles Gute und herzlich willkommen, Daniel!" häufen sich in der Kommentarsektion (Beispiel YouTube) bei seinem ersten kurzen Video als Werder-Trainer, wo er sich den Grün-Weißen vorstellt. Dort sagt er unteranderem: "Eine sehr große Aufgabe, aber eine sehr wertschätzende Aufgabe". Zum ersten Tag gehört neben direkt der ersten Trainingseinheit, die Thioune als sehr gut empfand, natürlich auch die obligatorische Pressekonferenz. Hier sprach er gemeinsam mit Clemens Fritz, der Ex-Werder Profi Fritz sagte zu den Gesprächen: "Im Endeffekt war es das Gesamtpaket. Es war relativ schnell ein gutes Gefühl da, noch bevor das Gespräch beendet war". Thioune betonte, dass wenn "Werder anruft und ich die Chance habe, eine sehr gute Mannschaft übernehmen zu dürfen, dann muss ich nicht lange überlegen. Ich bin vor der Qualität überzeugt". Die der Kader definitiv hat, aber nicht richtig nutzen kann bzw. in den letzten Wochen auch öfters Pech hatte und trotz guten Leistungen verlor, dass sieht auch der Ex-Düsseldorfer so. Zudem versprach Thioune, dass die Talente Chancen bekommen, es zwar in einer schwierigen Phase nicht leicht so wäre, aber er der Letzte sei, der nach guten Leistungen "die Rückennummern 58-68 nicht auf den Platz schickt". Zu seiner Taktik verriet er vor Freiburg logischerweise nicht viel, er hat schon Dreier- und Viererkette spielen lassen, aber bei Düsseldorf eigentlich fast immer mit vier Männern hinten. Dadurch gibt es vorne zwei Flügelpositionen (nicht wie im 5-3-2), die perfekt geeignet sind für den Rohdiamant Mbangula und den schnellen Njinmah, der seine Qualitäten mehr über die Außen als über die Stürmerposition zeigen kann. Vorne dann entweder Milosevic oder Topp, die Stuttgart Leihgabe blieb aber zuletzt blass, Topp schoss gegen Gladbach endlich wieder ein Tor. Marco Grüll gibt es auch noch, doch auch er fühlt sich als zentraler Stürmer nicht so wohl. Talent Salim Musah wartet immer noch auf seine Chance. Dies und vieles weiteres kann Thioune nun mit seinem Staff besprechen, der nun größer ist als noch bei Steffen. Groß und Duarte, Steffens Wegbegleiter, bleiben, zudem bringt der 51-Jährige Jan Hoepner mit, der ihn auch schon bei der Fortuna unterstützte. Also genügend Personal, um Werder aus der Krise zu führen.
LW, 04.02.2026


Paukenschlag in Bremen: Werder entlässt Horst Steffen
Bisher war Werder diese Saison dafür bekannt gewesen, die Trainer von Gegnern zu entlassen: Am 2. Spieltag musste Erik Ten Hag nach dem 3:3 in Bremen bei Leverkusen gehen, an Spieltag drei nach der 0:4 Klatsche Gerardo Seoane auf Gladbacher Seite. An Spieltag zehn musste dann VfL-Trainer Paul Simonis gehen, nachdem nach interessanter Fallrückzieher Vorlage von Boniface Mbangula tief in der Nachspielzeit den Last-Minute Werder Sieg bescherte.  Und nun vor kurzem, am 18. Spieltag, spielte der SVW die Eintracht an die Wand, diese hatte Glück, ganz spät noch unverdient einen Punkt mitzunehmen. Das Amt von Dino Topmöller rettete dies aber nicht. Vier Trainer in einer Saison. Alle rausgeworfen unter der Leitung von Coach Horst Steffen. Es werden aber keine mehr dazukommen, denn nun schmeißt Werder seinen eigenen Trainer raus: Horst Steffen wurde heute, am Sonntag, mit sofortiger Wirkung entlassen. Nach zehn Spielen ohne Sieg (7 Tore, 20 Gegentore) hielt Fritz oft noch am Coach fest, doch nachdem er nach dem 1:1 gegen Gladbach die Rückendeckung nicht mehr versprach folgte nun  der logische nächste Schritt:
Der im Sommer von Elversberg gekommene Coach muss gehen. Nur kurz zur Einordnung: Der letzte Sieg war gegen Wolfsburg gewesen, Spieltag 10, 7. November, Bonifaces skurriler Assist. Da kommen Erinnerungen hoch. Aber halt auch Erinnerungen von Ereignissen, die länger her sind. Seitdem befand sich Werder im Abwärtsstrudel, nachdem es davor relativ gut aussah. Der SVW hatte einen schweren Start in die Saison, flog im Pokal und bekam bei der SGE eine 4:1 Klatsche. Der Punkt gegen Leverkusen war essentiell, denn so konnte die Stimmung zum Positiven gewendet werden. Nachdem Werder sein schwieriges Startprogramm überwunden hatte (erste fünf Spieltage SGE, B04, Freiburg, Bayern) kamen auch die ersten Erfolge und die Grün-Weißen befanden sich in einer guten Phase: Fünf Spiele in Folge ohne Niederlage, dabei drei Siege und zwei Unentschieden. Der letzte Sieg in dieser Phase war gegen Wolfsburg. Und es sollte unter Horst Steffen der letzte sein. Denn danach ging vieles schief bei den Hanseaten. Man gewann nicht mehr, verschenkte Führungen, verlor das so immens wichtige Nordderby und bekam z.B. vor Weihnachten gegen den VfB eine Klatsche. Nach der Pause verlor man beim BVB, was in der aktuellen Phase ok ist und verschenkte dann den Sieg gegen Frankfurt. Man drehte das Spiel nach 1:2 Rückstand mit einem starken Endspurt, konnte den Sieg aber nicht über die Zielgerade bringen und fing sich noch ein Gegentor. Wer weiß, was gewesen wäre, hätte Werder gewonnen. Aufbruchsstimmung, vielleicht wäre nun Horst Steffen noch da. Hätte, hätte, Fahrradkette. Anstatt es dann im nächsten Spiel besser zu machen verlor man in Leverkusen und zuhause gegen die TSG, trotz 40-minütiger Überzahl. Und nun zuletzt das Endspiel von Horst Steffen gegen Gladbach, wo für die mittlerweile abstiegsbedrohten Bremer ein Sieg hersollte, erst recht gegen den Konkurrenten. Werder holte, spät durch Keke Topp, immerhin einen Punkt, den Trainer rettete dies aber nicht.
Woran lag es? Zum einen ist nicht immer der Trainer Schuld, die Verantwortlichen verpassten es, einen richtigen Stürmer zu holen. Milosevic ist noch nicht richtig angekommen (sein Tor gehörte zu 80 % Romano Schmid), Njinmah und Grüll nicht richtige Mittelstürmer,  die beiden fühlen sich viel mehr auf der Außen wohl. Und das Hauptproblem beim SVW ist nun mal Tore zu schießen und sich für den Aufwand zu belohnen. Und wenn das nötige Personal nicht da kann auch der Trainer nichts machen. Zur Wahrheit gehört auch, wodurch Steffen auch in die Kritik der Fans geriet, dass er trotz weniger Erfolg an der Dreierkette festhielt und trotz des Faktes, dass immer, wenn 10-Millionen Mann Mbangula auf dem Platz war, Werder mehr Gefahr ausstrahlte, den Belgier immer auf der Bank sitzen ließ und ihn maximal ab Minute 70 reinschmiss. Das Mbangula dann aufgrund der verbliebenen Zeit nicht immer zaubern kann ist logisch. Gegen Frankfurt aber reichten ihm 20 Minuten für einen sensationellen Freistoß, den Stage per Kopf verwerte und einen riesen Ball auf Schmid, der dann auf Milosevic ablegte, der nur noch einschieben musste. Nächste Woche Startelf? Pustekuchen. Horst Steffen hielt an dieser Aufstellung fest. Er hatte zuvor sein bewährtes 4-2-3-1 aufgegeben, obwohl das mit dem Kader wahrscheinlich sogar besser gepasst hätte und man damit auch Erfolg hatte. Umso verwunderlicher, dass er daran festhielt. Er schaffte es zudem nicht mehr, für Aufbruchsstimmung in der Mannschaft zu sorgen, die Euphorie war längst verschwunden.
In der offiziellen Meldung von Werder Bremen hieß es, dass nun die bisherigen Co-Trainer Raphael Duarte und Christian Groß interimsweise übernehmen, bis ein neuer Trainer gefunden ist (einen Kandidaten hat Werder doch nicht, Idee von Kick: Marco Rose, hat sich als Werder-Fan "geoutet", guter Trainer, RB will eine Million Ablöse, bezahlbar für Werder. Einziger Knackpunkt: Gehalt?). "Es war eine schwere Entscheidung, aber wir haben nicht mehr die Überzeugung, dass Horst den Turnaround nach dieser langen Serie ohne Sieg gemeinsam mit der Mannschaft schaffen wird. Diese Erkenntnis wiegt natürlich schwer, gerade weil wir Horst sehr schätzen, aber sie ist das Ergebnis aus der Analyse der sportlichen Situation und den Gesprächen, die wir zuletzt geführt haben. Daher haben wir entschieden, Horst freizustellen", so Clemens Fritz. Horst Steffen Bilanz spricht aber leider auch für keine erfolgreiche Zeit: 4 Siege, 7 Unentschieden, 9 Niederlagen. Insgesamt ein Punkteschnitt von unter 1, das gab es zuletzt beim SVW in den 70ern.
Viele Werder Fans reagieren mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf die Entlassung: Horst Steffen war ein sympathischer Trainer, doch sportlich macht es Sinn und es war längst überfällig. Doch die meisten sagen auch, dass dies erst der Anfang war. Viele fordern den Rauswurf von Fritz und Niemeyer, Fritzmeyer, die aus Sicht der Werder Fans auch für den sportlichen Misserfolg zu verantworten sind. Schwache und ausbleibende Transfers (Dinkci, der zum SVW wollte, nicht geholt (nun beim FCH), zudem der Skandal um die Leihen, wo Fritz nicht wusste, wie viele Spieler man ausleihen darf und ihn letztlich Transfermarkt.de informieren musste, heizten die Stimmung um die beiden auf. Denn nicht immer der Trainer ist Schuld, doch Horst Steffen ist jetzt weg. Die Frage ist, ob Fritzmeyer auch gehen müssen, oder ob nur Horst Steffen intern verantwortlich gemacht wird und nun unter der Leitung von Fritz und Niemeyer nach einem neuen Trainer gefahndet wird. Fragen über Fragen, die Werder beschäftigen. Die Größte: Wie geht es weiter? Werder, mittlerweile 15, befindet sich unbestritten im Abstiegskampf, doch finden die Verantwortlichen einen Trainer, der den Abwärtstrend stoppen kann und Werder wieder in sichere Gefilde bringt? Das werden die nächsten Tage und Wochen zeigen.
LW, 01.02.2026


5 Aspekte, auf denen Werder aufbauen kann
Der SV Werder Bremen hat in einem ereignisreichen Spiel gegen Eintracht Frankfurt unglücklich 3:3 gespielt. Nach zwei Comebacks wurde eine 3:2 Führung in der letzten Minute der Nachspielzeit verspielt. Bei allen Spielern, den Fans und den Verantwortlichen sorgte dies natürlich für Frust. Erst recht, weil es eine starke Leistung war und man sich den Sieg verdient hätte, umso bitterer das man ihn so spät aus der Hand gibt. Doch wie es bei den Medien so ist muss nun direkt wieder über Abstiegskampf geredet werden. Hätte man gewonnen hätten alle gehyped und die Medien Aufbruchsstimmung aufgenommen. Doch nun wird der Spieß wieder umgedreht und wieder nur aufs Negative geschaut. Natürlich sind sechs Punkte nicht viel auf den Relegationsplatz, doch der SVW hat ein Spiel weniger und nicht wie ein Abstiegskandidat gespielt. Daher haben wir uns nun fünf positive Aspekte rausgesucht die Hoffnung für die nächste Zeit machen. Denn so schlecht ist es bei Werder auch nicht. Natürlich gewinnt man das siebte Spiel in Folge nicht aber die Gegner waren auch oft nicht leicht. Zudem machen die Leistungen schon in der ersten Hälfte gegen den BVB und nun gegen die SGE Hoffnung bzw. zeigen, was für ein Potenzial in dieser Truppe steckt.
Mbangula bringt Schwung rein
Der junge Belgier, immerhin mit zehn Millionen einer der teuersten Werder Neuzugänge ever, hat zuletzt unter Horst Steffen keine große Rolle mehr gespielt. Er war mit vielen Hoffnungen gekommen, konnte diese zunächst erfüllen, war dann aber auf dem absteigenden Ast. Folge war der Verlust des Startelfplatzes und nur noch 20 Minuten Einsätze. Nun kam Mbangula an seinem 22. Geburtstag (Happy Birthday Bangs!) für die letzten 15 Minuten rein und hatte einen riesigen Impact auf das Werder Spiel. Er schlug einen starken Freistoß, den Stage per Kopf veredelte und spielte auch den entscheidenden Schnittstellenpass zum 3:2. Und auch so brachte der quirlige Außen viel Schwung rein. Starke Dribblings und Durchsetzungskraft. Wenn der Junge in den nächsten Wochen wieder mehr Startelf-Einsätze bekommen kann er wieder so sein Potenzial zeigen wie er es bereits am Anfang der Saison gezeigt hatte. Weil Können ist schon sehr vorhanden, Potenzial gibt es aber trotzdem noch en masse. Doch dafür braucht er auch Spiele über 60-70 Minuten.
Milosevic trifft beim Heimdebüt
Er wurde mit vielen Hoffnungen vom VfB ausgeliehen, aber auch gleichzeitig mit Missmut. Nicht wegen ihm persönlich sondern aufgrund des Verhandlungsgeschickes des SV Werder. Ein halbes Jahr Leihe ohne Kaufoption, aber trotzdem 600.000 Euro Leihgebühr für einen Stürmer, der aufgrund des Faktes, dass er bisher nur in Serbien performen konnte, keine Soforthilfe sein muss. Sein Potenzial wiederum ließ die Werder Fans hoffen. Und nun hat der neue Stürmer im Heim-Debüt direkt geliefert und gezeigt, dass zumindest sportlich die Leihe sehr viel Sinn hat. Nach seiner Einwechslung war er erst mit Kopfballverlängerungen in Erscheinung getreten ehe dann in Minute 80 sein Moment kam. Nach starker Ablage von Schmid schob er überlegt ins rechte Eck ein und konnte sein erstes BL-Tor feiern. Gleichzeitig riss damit auch eine Negativserie des SVW, das erste Mittelstürmertor der Saison ist nun endlich gefallen. Milosevic hat gezeigt was er draufhat und das er Werder bis zum Saisonende definitiv noch eine große Hilfe sein kann.
Starke Moral bewiesen
Sowohl gegen Dortmund in Hälfte eins als auch gegen die Eintracht hat Werder eine starke Leistung zeigen. Beide Male konnte man sich nicht mit einem Dreier belohnen, gegen die SGE immerhin mit einem Punkt, jedoch trotzdem mit unglücklichem Ende. Doch der SVW hat gegen die Hessen Moral bewiesen. Sie haben wie vor der Ergebniskrise ein Comeback gefeiert. Wie beim letzten Sieg Anfang November, als Mbangula in der Nachspielzeit zum 2:1 Siegestreffer gegen Wolfsburg traf. Auch Coulibaly hatte Werder an Spieltag zwei spät gegen Leverkusen einen Punkt beschert. Diesmal musste Werder noch den Ausgleich schlucken, trotzdem gaben sie sich vorher nicht auf und kamen zweimal nach Rückstand zurück. Und das gegen eine Champions-League Mannschaft.
Teamzusammenhalt
Dies war in letzter Zeit ein Thema beim SVW. Gerüchten zufolge soll Horst Steffen das Vertrauen in der Kabine verloren haben, was er und Njinmah, der sich ganz klar hinter den in letzter Zeit kritisierten Trainer stellte, auch revidierten. Denn Werder spielte klar für den Trainer und ließ sich dann von negativen Ereignissen wie zwei Rückständen nicht beeinflussen. Und das die Stimmung nach den letzten Spielen angespannter war ist logisch. Und das nach dem späten Nackenschlag gegen Frankfurt in Bremen an diesem Tag auch keine lauten Freudenschreie mehr erklingen werden macht auch Sinn. Doch Werder hielt zusammen und spielte auch stark zusammen. Das Team hat sich gefunden und begeisterte wie schon gegen Dortmund mit starken Ballkombinationen wie z.B. beim 1:1 Ausgleich.
Schmid Leistungssteigerung
Romano Schmid hat sich in den letzten Jahren zu einem der Leistungsträger bei den Grün-Weißen entwickelt. Doch zum Jahreswechsel hin sollte es beim österreichischen Nationalspieler nicht mehr so laufen. Ausnahme das Derby gegen den HSV, wo er sehr stark war, wirkte seine sonst so kreative Spielweise wie verpufft, zu viele Ungenauigkeiten und Ballverluste streuten sich in das Spiel des quirligen Zehners. So auch am Dienstag gegen Dortmund. Doch gegen die SGE konnte man in Halbzeit zwei wieder den "alten" Romano Schmid erleben. In engen Situationen mit all seiner Klasse durchgesetzt, Kampf bewiesen, nie aufgegeben und jedem Ball hinterher jagt. Und wenn er den Ball hatte immer für eine Idee gut. Stark auch sein Assist auf Milosevic zum zwischenzeitlichen 3:2, wo er nach dem guten Ball von Mbangula sich gegen Brown durchsetzt und in Drehung das Auge für den besser postierten Milosevic hat. Wenn Schmid so weitermacht wird sich auch Werders Offensivspiel wieder steigern. Weil Schmid war die letzten Wochen und Monate immer gut für starke Aktionen, zeigte sie aber zu selten. Und Werders Kreativmotor wieder an den An-Knopf endgültig gefunden hat kann dies auch die restliche Offensive ankurbeln, die sich aber auch generell gegen Frankfurt nach davor vier torlosen Partien (St. Pauli Testspiel dazu gezählt) wieder einen deutlich verbesserten Eindruck machte und auch endlich wieder es schaffte, den Ball ins Tor zu befördern. Und das gleich ganze drei Mal.

Also insgesamt viele positive Aspekte von Werder, auf diesen Sachen und den letzten Leistungen kann man aufbauen. Wenn dann die ersten Erfolge kommen wächst auch wieder das Selbstverständnis bei Werder und dann wird bald der Abstieg nix mehr mit Werder zu tun haben und man darf sich ganz unauffällig auch mal einen Blick nach oben erlauben. Weil mit dem Potenzial im Kader kann man auch dem schweren Programm mit Leverkusen, Hoffenheim, (Gladbach), Bayern trotzen. Und dann kommen die vermeintlich leichteren Spiele. Mit diesem Team wird Werder in den nächsten Woche deutlich mehr erreichen als in den letzten anderthalb Monaten. Da bin ich mir ganz sicher...
LW, 17.01.2026


LW, 11.01.2026

Boniface muss die OP machen- Milosevic kommt
Victor Boniface und der SV Werder Bremen. Ein Kapitel, das vorher großes Potenzial hatte und auf Bremer Seite für einen großen Hype sorgte. Doch auch ein Kapitel, das letztlich seine Erwartungen nicht erfüllen konnte. In 11 Spielen blieb der Nigerianer ohne einen einzigen Treffer, trotz seines Könnens, das er davor bei Leverkusen unter Beweis gestellt hatte. Werder blieb damit diese Saison bisher komplett ohne Mittelstürmertor, weil auch Keke Topp auf ganzer Linie enttäuschte. Boniface hatte sich im Training bei Werder am Knie verletzt und kam danach nicht mehr für Werder zum Einsatz. Der schon in der Vergangenheit vom Knie geplagte Stürmer flog daraufhin nach Österreich, damit er sich von der Lage ein Bild machen konnte. Zur Wahl stand eine OP, gleichbedeutend mit dem Saison Aus oder das er angeschlagen weiterspielt. Auch da wäre eine Zukunft für Werder unwahrscheinlich gewesen. Ein Leihabruch stand im Raum. Nun gibt es Klarheit rund um Boniface. Er muss die OP machen, laut Niemeyer wird er "wahrscheinlich kein Spiel mehr diese Saison machen". Die Leihe wird trotzdem nicht abgebrochen. Er meldete sich enttäuscht über die sozialen Medien, da der Nigerianer sich erstens auch deutlich mehr von der Leihe erhofft hatte und zweitens die OP umgehen wollte. Durch diese Entscheidung hatte Werder nun ordentlich Handlungsbedarf auf der Stürmerposition.                              Diese Lücke wurde nun erfolgreich geschlossen. Jovan Milosevic, die letzten Tage bereits bei Werder gehandelt, wird vom Ligakonkurrenten VfB Stuttgart bis zum Sommer ausgeliehen. Der SVW besitzt für den Serben keine Kaufoption, bezahlt aber trotzdem eine Leihgebühr von 600 Tausend Euro. Bei den Fans kommt dieser Transfer nicht so gut an, da nach einem halben Jahr der 1,90 Meter Hühne wieder zu Stuttgart zurückkehrt. Sportlich hat Milosevic Vorteile und Nachteile für Werder. Er hat Potenzial, steuerte in 17 Spielen 12 Tore und vier Assists zum Erfolg von Partizan in Serbien beitragen. Er kann also die Stürmerlücke für Werder definitiv füllen. Ist nur die Frage wie schnell. Denn die Zahlen sprechen sich für, jedoch ist es immer noch Serbien gewesen. Beim VfB konnte er sich in der Bundesliga nicht durchsetzen, spielte nur sechs Spiele im deutschen Oberhaus. Chance und Risiko also für Werder zugleich. Eine Soforthilfe ist er wahrscheinlich aber nicht, die Stürmersuche ist für den SVW mit Milosevic aber beendet. Hoffen wir für Werder, dass das Risiko belohnt wird. Nicht so wie bei Boniface.